Viez e.V. ermöglicht Epilepsie-Warnhund für Frida

Die beiden Schwestern Frida und Mathilda aus Köln leiden unter dem Niemann-Pick-Syndrom – eine Seltene, neurodegenerative Erkrankung, für die es bis heute kein Medikament gibt. Zu dem Krankheitsbild gehören leider epileptische Anfälle, die Frida mittlerweile täglich mehrmals heimsuchen. Folge: Teils schwere Stürze und damit verbundene Verletzungen beispielsweise am Kopf.

Fridas Mutter Kathleen ist deshalb an uns herangetreten mit der Frage, ob es uns möglich wäre, die Anschaffung und Ausbildung eines Epilepsie-Warnhundes zu ermöglichen. Der zeigt an, wenn sich wieder ein Anfall anbahnt. Damit Kathleen schnell zur Stelle sein kann, um Frida aufzufangen. Viez e.V. hat Kathleen – durch die Unterstützung seiner Mitglieder – eine Zusage machen können. Viez e.V. hat den Kauf und die Ausbildung bis zu einer Höhe von 10.000,- € übernommen. Der Fall zeigt ein weiteres mal: Konkrete Hilfe ist möglich – mit gelebter Solidarität können wir einen echten Unterschied machen!

Kathleen ist dafür sehr dankbar. Sie hat uns deshalb vor Weihnachten einen Brief geschrieben:

Liebe Familie, Freunde und Freundinnen, Bekannte und Förderer,

Frida leidet seit nunmehr 4 Jahren an Epilepsie (Symptom der Grunderkrankung), die mit Fortschreiten der Erkrankung immer häufiger auftritt und inzwischen unser Leben maßgeblich bestimmt. Von wenigen Krampfanfällen im Jahr sind wir inzwischen seit Monaten bei 4-10 Vorfällen am Tag, und dies, obwohl sie medikamentös behandelt und immer wieder entsprechend neu eingestellt wird. Da sie noch selbständig laufen kann, muß sie in der Wohnung ständig überwacht und bei jedem Schritt begleitet werden.

Es kommt trotzdem zu Unfällen, da die Krämpfe blitzartig auftauchen und es oft unmöglich ist, sie zu halten (eher reißt sie einen noch mit zu Boden) und weil sie nicht signalisiert, wenn sie sich fortbewegen möchte, sondern einfach aufsteht und losgeht. Wir hatten in der letzten Zeit mehrmals den Notarzt bei uns und leben tagtäglich in einer extrem hohen Anspannung. Nicht alle Betreuungspersonen sind bereit, dieses hohe Risiko zu tragen, so daß Frida die meiste Zeit sitzen muß oder im Rollstuhl gefahren wird, was zu einem rasanten Abbau der wenigen körperlichen Ressourcen führt, über die sie noch verfügt.

Nach langer Überlegung und durch vielversprechende Berichte ermutigt, habe ich mich deshalb entschlossen, mich auf das umfangreiche Projekt eines Epilepsie-Warnhundes einzulassen. Im Idealfall warnt mich ein solcher Hund zuverlässig wenige Minuten bis zu einer 1/2 Stunde vor einem Krampfanfall von Frida (und zukünftig vielleicht auch von Mathilda), so daß ich entsprechende Maßnahmen ergreifen kann. Es würde nicht nur das hohe Verletzungsrisiko für Frida verringern, sondern auch die extreme Anspannung, die uns inzwischen tagtäglich begleitet. Ein Assistenzhund in Selbstausbildung, so nennt man die Vorgehensweise, wenn der Hund nicht fertig ausgebildet, sondern als Welpe bei der Familie einzieht, und dann im Familienalltag unter professionneller Anleitung ausgebildet wird. Die Vorteile liegen bei dieser Vorgehensweise nicht nur finanziell auf der Hand (ein fertig ausgebildeter Assistenzhund kostet gerne ab 25.000 € aufwärts), sondern scheinen uns auch bei der dafür erforderlichen engen Bindung an seinen Menschen und der sehr speziellen Aufgabe dieses Hundes (auch unter den Assistenzhunden) die vielversprechendste.

Alle Assistenzhunde sollen bestimmte Anlagen und Fähigkeiten von Geburt an mitbringen, nach denen sie durch Zucht und Genetik, aber auch durch entsprechende Tests ausgesucht werden. Dann durchlaufen diese Hunde eine auf ihr zukünftiges Aufgabengebiet und die damit verbundenen Anforderungen zugeschnittene Ausbildung. Im besonderen Fall des Epilepsie-Warnhundes ist bis heute nicht ganz geklärt, ob der Hund allein aufgrund von Geruch und kleinsten Veränderungen in Mimik und Gestik des Betroffenen den bevorstehenden Krampfanfall wahrnehmen und davor warnen kann, oder ob darüber hinaus noch weitere Sinneswahrnehmungen eine Rolle spielen. In jedem Fall würde unser Hund als Epilepsie-ANZEIGEhund ausgebildet, d.h. er lernt sofort Alarm zu schlagen, wenn ein Anfall geschieht. Die erwünschte Fähigkeit des Warnens bleibt ein Stück weit ein kleines Mysterium, welche der Hund mitbringen muß und zu deren Ausdruck er nur ermutigt werden kann. Oft zeigen Hunde diese Fähigkeit von sich aus, sie muß dann als solche erkannt und gefördert werden. Wer mehr darüber erfahren möchte, dem sei das Vorwort einer Betroffenen zu dem wunderbaren Buch „Warnhunde für Epilepsie-Betroffene – Anfälle erspüren und anzeigen, Gefahren vermeiden“ empfohlen oder der Link zu einem Bericht über diese Frau und ihren Warnhund: https://www.bethel.de/presse/presse-detail/artikel/familienhelfer-auf-vier-pfoten.html. Ich selbst kenne den Fall eines Hundes, ein Collie, der von sich aus die Familie vor den kurz darauf eintretenden epileptischen Anfällen der Tochter gewarnt hat. Seit einiger Zeit bin ich mit unserer zukünftigen Assistenzhundtrainerin auf der Suche nach einem geeigneten Welpen, und tatsächlich sind wir in Kontakt mit einer Züchterin, bei der die Entscheidung für oder gegen einen Welpen aus ihrem aktuellen Wurf (ebenfalls Collies) noch vor Weihnachten fallen wird. Am 18.12. soll der sog. Welpentest durchgeführt werden. Die Kosten für Anschaffung und Ausbildung eines solchen Hundes bewegen sich zwischen 8.000 und 12.000 €, beginnend mit dem Kaufpreis eines Welpen, der i.d.R. zwischen 1500 und 2000 € liegt. Hinzu kommen Ausrüstung, Steuern, Futter, Tierarzt und Versicherung. Die Ausbildungszeit beträgt ca. 2 Jahre, wobei sich die Abstände der Trainingseinheiten im Laufe der Zeit vergrößern. Wir haben uns ein großes Ziel gesetzt und benötigen dafür eure Unterstützung. Wenn alles gut läuft, dann entsteht dadurch eine wunderbare Mensch-Hund-Beziehung, die unseren schweren Alltag erleichtert und bereichert, die uns allen etwas Anspannung nimmt und für Frida mehr Sicherheit schafft, ihr obendrein ein kleines Stück Selbständigkeit zurückgibt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird auch Mathilda in der Zukunft von Epilepsie betroffen sein. Sie würde von vorneherein vom Schutz des Hundes profitieren. Darüberhinaus sind Hunde als menschenzugewandte Tiere von hoher therapeutischer Qualität, die unser körperliches und psychisches Wohlbefinden positiv beeinflussen. Mit Dank für eure Aufmerksamkeit, die ihr uns schenkt, und den besten Wünschen für euch in dieser beunruhigenden Zeit! Habt schöne und erfüllte (Weihnachts-) Tage!

Kathleen, Frida und Mathilda

Am 25. Januar schrieb uns Kathleen, dass Wall Streets Vanell – Rufname „Chania“ – in der Familie angekommen ist! Die Familie ist sehr glücklich. Wir hoffen, dass Chania gute Dienste leisten wird!

Published by

DirkOHeckmann

Journalist. Historiker. Redakteur am Mikrophon @DLF Deutschlandfunk

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